Kein guter Tag

July 20, 2018

Unser Sonntag hat das ausgebliebene Pech vom Freitag den 13. nachgeholt und mir meinen persönlichen Albtraum beschert.

 

Vorab einmal: Samba hatte wie schon so häufig alle Schutzengel dieser Welt, als er sich am Sonntagabend allein aus dem Hänger befreien wollte.

 

Wer uns schon länger verfolgt weiß, das das Thema Hänger fahren nicht immer so einfach für uns war, wie es heute überwiegend ist. Aus anfänglichem Drehen im Hänger über Platzangst beim Fahren, bis zum heutigen Problem war einiges dabei, was Samba immer zum Steigen im Hänger verleitet hat.

 

Diese Probleme haben wir alle im Griff. 

Er ist eigentlich ein richtiger Musterschüler, steigt immer ein, fährt ruhig und kann auch mal warten - BIS er pinkeln muss. Denn dann wird er unruhig, wie früher und möchte unbedingt raus. 

 

Der vergangene Sonntag war ein langer Tag: 

Stadtmeisterschaften, 2 Wertungsprüfungen, Siegerehrungen (...). 

 Zu lang für Samba.


Zwar hatten wir die Pferde den Tag über die ganze Zeit auf einem Paddock, ihn dort allein zu lassen war mir aber doch zu unsicher weshalb er kurz vor Abfahrt doch nochmal auf dem Hänger warten musste...

Eigentlich kein Problem, an diesem Tag aber einfach zu viel für ihn.
Erst recht, als ich mehrfach an ihm vorbei gegangen bin und immer noch nichts passierte.

 

Ich hatte es wie immer schon im Gefühl, dass es zu viel werden würde.
Seit über 6 Jahren kenne ich ihn und spüre einfach, wenn etwas nicht stimmt.
So auch an diesem Tag, wo meine Hilfe für eine Freundin aber vorgehen musste.

 

Ich wusste, dass er nicht mehr warten wollte.
Genauso wollte ich aber helfen und dachte mir: Es ist so lange nichts passiert, die 5 Minuten schafft er schon noch.
Aber diese 5 Minuten wollte er nicht mehr, sprang vorn auf die Stange.
Der Hänger hatte zwar das Sicherheitssystem, dass die Stange von außen lösen lässt, aber man muss so schnell sein & das war ich alleine einfach nicht.
Meine einzige Möglichkeit wäre gewesen sie von innen zu lösen, wofür ich mich aber direkt vor ihn hätte stellen müssen… in so einer Paniksituation aber lebensgefährlich für mich. 


Als ich sie von außen lösen wollte sprang er nochmal hoch, diesmal über die Trennwand.
Von diesem Moment an war er absolut kooperativ, ließ sich ein wenig zurück schieben wodurch er um die Trennwand herum, jedoch vorwärts aussteigen konnte.

Der Anblick, mein Pferd so hilflos zu sehen war grausam. Mein schlimmster Albtraum ist es, dass er sich verletzt, weil er mir vertraut hat.

In diesem Fall, weil er FÜR MICH in den Anhänger eingestiegen ist.

Gott sei Dank sah es auf den ersten Blick nur nach oberflächlichen Verletzungen aus, im Schritt lahmfrei, weshalb ich ihn direkt wieder verladen habe, um ihn endlich nach Hause bringen zu können.

Er ist ohne zu zucken eingestiegen, keine 3 Minuten später.

Das fand ich fast noch schlimmer -  ich fühlte mich so schuldig, als hätte ich ihn belogen, sein Vertrauen ausgenutzt. 

Jedesmal steigt er ein, weil er weiß, dass ich ihn wieder befreie. 

Diesmal kam ich zu spät und dennoch vertraute er mir & stieg wieder ein.

Ich bin ihm so unheimlich dankbar, dass er mir all meine Fehler verzeiht, mir soviel beibringt und mir schon längst mehr ermöglicht hat, als ich mir je erträumt hätte.

 

Und genau deshalb hat er jetzt etwas frei. Frei von mir, frei vom Reiten und frei von Turnieren und Anhänger fahren.

Die Verletzungen waren Gott sei dank wirklich nur oberflächlich, wurden zum Teil getackert und er hat ein Kurzzeit-Antibiotikum bekommen. Ich hätte laut TA sogar reiten dürfen, was aber für mich während er Medikamente bekommt nicht in Frage kam.
Morgen setze ich es ab und wenn ich aus Aachen wieder komme starten wir langsam wieder in den Alttag. 

Bis dahin heißt es Koppel für Samba. 


Ich habe daraus gelernt, ich werde in Zukunft immer auf mein Gefühl hören - Ganz egal was andere denken oder was ich denke, was sie denken könnten. 

Die Sicherheit meines Pferdes geht vor, das bin ich ihm schuldig.

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Perfektion ist, wenn man sein Pferd besser kennt als sich selbst.